Über die Liebe und das Dienen

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Das eindrucksvollste OM Chanting, an dem ich je teilgenommen habe, lief sehr schlicht ab. Es war kein Maha OM Chanting, es war kein Vollmond OM Chanting, es war in keiner Weise etwas Besonderes. Es fand statt in einem kleinen Raum in einer Stadt in Colorado, während einer Nacht, in der die Straßen leer gefegt zu sein schienen.

Etwa fünfzehn Personen unserer Gruppe nahmen teil. Ich erinnere mich daran, sie dabei zu beobachten, wie jede einzelne Person hereinkam mit einer Mischung aus Hoffnung und Unsicherheit, die sich auf ihren Gesichtern spiegelte. Fast jeder dort war neu. Nur drei von uns hatten auf diese Weise schon einmal gechantet.

Was in diesem Kreis anders war als in denjenigen, die ich bis dahin besucht hatte war, dass jede einzelne Person absichtlich für jemand anderen eingesprungen war. In dieser Freundesgruppe gab es zwei Teilnehmer, die Krebs hatten. Ihre Angehörigen waren zusammengekommen, weil sie gehört hatten, dass OM Chanting ihnen vielleicht helfen könnte. Beide Männer mit Krebs waren füreinander da, alle anderen waren für die beiden da. Ich bin mir nicht sicher, wie viele Menschen an diese Praxis geglaubt haben, wobei ich denke, dass sie bereit waren, fast alles zu versuchen, um ihren Freunden zu helfen.

Wir hielten in dieser Nacht zwei Kreise, einen für jeden der Männer. Sie saßen in der Mitte und ließen zu, dass der Segen von OM Chanting größer wurde und sich über sie ergoss. Die Zeit schien überhaupt nicht mehr zu existieren. Ich hätte beinahe glauben können, dass sie noch nie existiert hatte. Die Mitglieder der Gemeinschaft hielten sie während dieser Praxis die Männer fest, die sie liebten und sangen nur für sie.

Es gibt zwei grundlegende Lektionen, die ich in dieser Nacht lernen durfte.

Erstens:

Der Dienst am Nächsten ist im wahrsten Sinne des Wortes selbstlos. Wenn wir OM Chanting mit der Haltung des selbstlosen Dienens praktizieren, steigen wir tiefer in die Praxis ein. Wir werden offener für die unendlichen Möglichkeiten, die OM Chanting uns bieten kann.

Zweitens:

Lasst alle Erwartungen los. Die versammelte Gemeinschaft hatte sicherlich Hoffnung, aber sie hatte nur ein begrenztes Gefühl dafür, was sie erwarten könne. Sie kamen nur mit dem Wissen herein, dass OM Chanting ihren Freunden helfen könnte, nicht dass es unbedingt so sein müsste. Wie diese Hilfe aussehen könnte, war nur eine Vermutung.

Sie sangen von einem Ort der Hoffnung und Liebe aus. Dabei wurden sie offen für jedes Ergebnis, und akzeptierten es, egal wie es ausgehen würde. Sie schienen zu verstehen, dass diese Praxis ihnen nichts schuldet. Sie waren offen für alles, was passieren würde.

Allmählich und sanft ging die Nacht zu Ende. Die Schwingung von OM schien immer noch in unseren Ohren nachzuklingen. Die Menschen kehrten nur ungern in ihr Leben zurück. Alle schienen etwas mehr Hoffnung und ein weicheres Gesicht zu haben als bei ihrer Ankunft.

Seit diesem OM Chanting ist einer der Männer  verstorben. Als es zu Ende ging, erzählte er einem Freund, dass er nach dem OM Chanting keine Angst mehr vor seinem eigenen Tod gehabt hätte. Mit diesem Segen starb er in Frieden.

Der andere Mann ist inzwischen in Remission gegangen, und es scheint ihm gut zu gehen.

Es ist meine größte Hoffnung für alle OM Chanting Teilnehmer, solch einen Ort der Liebe und des Dienens für ihre Praxis zu finden. Hier kann man offen sein für die grenzenlosen Möglichkeiten des OM Chantings.

 

 


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